Kurzer Abriss des Lebens des Majors Ferdinand von Schill

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Geboren am 06. Januar 1776 in WILMSDORF/DRESDEN, 6. Kind des Freikorpsführers Johann Georg Schill aus SCHWYZ. EGERLAND, Deutsch-Böhmen; geadelt 1766, letzter Dienstgrad: Oberstleutnant in österreichischen
Dienst

Geburthaus von Ferdinand von Schill in Wilmsdorf bei Dresden

1790 Eintritt in die preußische Armee als Fähnrich Militärdienst bei den Husaren, danach beim Dragoner Regiment Ansbach-Bayreuth

Schill mit seinem Vater

20. September 1792 - Teilnahme des Regiment Ansbach-Bayreuth an der Kanonade von Valny
1793 -1806, Sekondeleutnant und Dienstzeit in Garnisonen Pasewalk in Pommern. Er wohnte in der Grünestraße Nr. 12 und Nr. 16. Weuterhin Dienst in Polen und am Rhein

Den Widerspruch zwischen dem Festhalten an längst veralteten Formen militärischen Drills und der Erfordernis zu beweglicherem, der jeweiligen Lage angepasste, wohlüberlegtem Vorgehen des Einzelkämpfers empfindend er deutlich. Deshalb war er dem Gamaschendienst gegenüber gleichgültig und lustlos, blieb all die Jahre ohne Avancement und war schließlich einer der ältesten Leutnante der damaligen preußischen Armee.
 
1806 Schill wurde bei der Schlacht bei Auerstedt durch einen Säbelhieb auf den Kopf schwer verwundet .

1806 Rettete sich über Magdeburg und Stettin bis nach Kolberg, wo er sich beim Kommandanten Oberst Lucadou gesund meldete.
In Kolberg meldete er sich beim greisen Kommandanten, Oberst von Loucadou gesund.

Bildung eines Trupps in Kolberg mit welcher Leutnant von Schill Streifzüge in die Umgebung zu unternehmen. Er sollte Verteidigungsmittel, Rekruten und Geld in die Festung bringen, sowie Aufklärung betreiben.

Am 12. Mai 1806 schiffte er sich mit seiner Kavallerie von Kolberg nach Vorpommern zu Blücher ein, während die Infanterie zur Verteidigung der Maikuhle zurückblieb.

 

7. Dezember 1806 - Für den gelungenen Überfall auf Gülzow am wurde er vom König Friedrich Wilhelm III. noch im selben Monat zum Premierleutnant befördert und mit dem Orden Pour le Mérite dekoriert.

Plan der Festung Kolberg

Am 1. Februar 1807 die Erlaubnis zur Errichtung eines Freikorps. Schill begann einen um Kolberg einen Kleinkrieg gegen französische Besatzungstruppen in Pommern. Aufforderungen seines Regimentskommandeurs, zum Regiment nach Ostpreußen zurückzukehren, ignorierte er. Schill wurde schnell berühmt und seine Truppe wuchs rasch an.

In seinem Freikorps führte er Reformen durch, die preußische Exerzier- und Schlachtfeldordnung wurde abgeschafft, wie auch die damals noch übliche Prügelstrafe. Die schimpflichste Strafe war die Ausstoßung aus dem Freikorps.


Seine Maßnahmen kennzeichnen zwei Grundsätze:
Die Achtung vor dem einfachen Soldaten und die Forderung, daß nur Wissen und Bildung, sowie Tapferkeit und hohe militärische Fähigkeiten zum Erhalt des Offiziersranges berechtigten.
12. Januar 1807 - Zum Rittmeister befördert von König Friedrich-Wihelm III., per Cabinetsordre die Erlaubnis auf eigene Kosten ein Freikorps aus Ranzionierten (entflohenen oder freigekauften Kriegsgefangenen) aufzustellen. Schill und seine Freischar nahm in der Gegend von Greifenberg Stellung

Schill, Gneisenau und Nerttelbeck

15. Februar 1807 - Schill beschloss die französischen Truppen zu vertreiben, Stargard zu erobern und dadurch die Anmarschstraße der Franzosen auf die preußischen Festungen Kolberg und Danzig zu unterbrechen.

Zu diesem Zweck brach er am 15. Februar abends 7 Uhr mit seiner Schar, nämlich einem Bataillon Infanterie in Stärke von etwa 800 Mann, von denen aber der größere Teil nur mit Piken und nur ein kleinerer mit Gewehren bewaffnet war, etwa 100 Jägern, drei Schwadronen Kavallerie, im ganzen höchstens 400 Reitern, und drei dreipfündigen Geschützen mit etwa 40 Mann Bedienung von Naugard nach dem ungefähr 40 Kilometer entfernt liegenden Stargard auf.

Am Morgen des 16. Februar um 5 Uhr in völliger Dunkelheit, traf die Freischar nach anstrengendem Marsche am Windmühlenberg in Stargard ein.

Schills Anmarsch war den Franzosen verraten und zum Schutze der Stadt in der Nacht vom 15. zum 16. Februar ein französisches Regiment der Division Teulie, die zur Belagerung von Kolberg bestimmt und bereits über die Oder gegangen war, aus Pyritz in Stärke von mindestens 1000 Mann heran gezogen worden. Der Versuch Stargard zu erobern misslang.

Auf beiden Seiten waren die Verluste nicht unerheblich. Schill preußische Infanterie hatte an Toten und Verwundeten 80 Mann verloren, der Leutnant von Lysniewsky war schwer verwundet in Gefangenschaft geraten. Von der Kavallerie hatte die Schwadron Lützow allein mehr als 30 Pferde verloren. Ihr Führer, der 1913 so berühmt gewordene Freischarenführer, war verwundet worden.
Sonderheft Stargard 1927, Dr. Ulrich Mampe.(Leicht geändert)

März 1807 - Verhandelung in Stralsund über ein gemeinsames Vorgehen mit den Schweden  
Mitte April 1807 - Schill in derselben Mission in Stockholm unterwegs

25. Juni 1807 - Nachdem die Schlacht bei Friedland Preußen zum Frieden von Tilsit gezwungen hatte, mussten sich Schill und seine Truppe - ohne an Kämpfen teilgenommen zu haben - mit Blücher in den Demarkationsbezirk zwischen Kammin und Köslin zurückziehen.Schills Korps wird in den Ausbildungsdienst an der Demarkationsbezirk zwischen Kammin und Köslin versetzt

1807/08 - Schills Reiterei als 2. Brandenburgisches Husarenregiment, dessen Inhaber der Major von Schill wird, seine Fußtruppe als Leichtes Bataillon von Schill in die reguläre Armee eingegliedert



Uniformen des Schillschen Freicorps 1809

1808 - Auszeichnung für seine Verdienste mit dem Orden Pour le Mérite und Beförderung zum Major durch preußischen König. Nach der Reorganisation des Staates und der Armee in den nächsten Jahren wurde Schills Reiterei als 2. Brandenburgisches Husarenregiment, dessen Inhaber der Major von Schill wurde, seine Fußtruppe als Leichtes Bataillon von Schill in die reguläre Armee eingegliedert.
10. Dezember 1808 - Auf Befehl des Königs einrücken Schills an der Spitze aller Truppen in Berlin und wurde dort von der Bevölkerung jubelnd begrüßt
28. April 1809 - Schill verließ wie zum Manöver mit seinem Regiment Berlin. Eine Meile außerhalb der Stadt hielt er seinen Soldaten eine Ansprache, die den Eindruck verstärkte, er handele in höherem Auftrag. Den Befehl der Kommandantur zur sofortigen Rückkehr beachtete er nicht.

Als im Jahre 1809 der Krieg Österreichs mit Napoleon ausbrach, hofften die Preußen, sie würden ebenfalls zu Kampf und Auswetzen der jüngsten Scharte kommen, und er wurde von vielen zu einer Expedition gedrängt, weil sie hofften, sein Losschlagen werde eine Notwendigkeit des allgemeinen Losschlagens werden.

»Schill muß fort, damit wir Alle fort müssen« war damals in Berlin die Losung.

In den für 1809 vorgesehenen Aufständen war ihm eine wichtige Rolle zugedacht, aber Schill wollte nicht abwarten.

19. Juli 1809 - Der Stabsrittmeister sprach von einem Geschenk der Königin Luise für Schill, einer roten Brieftasche mit geheimnisvollem Inhalt und Vollmachten, die Schill nicht öffentlich machen durfte, um den König nicht zu kompromittieren.

Luise sah in Ferdinand von Schill einen fähigen Vorkämpfer für die Freiheit. Auch wenn ihre Verbindung zu Schills Aufstandsversuch im Dunkeln blieb, so steht doch Schills Nähe zur unmittelbaren Umgebung des Preußenkönigs, vor allem zur politisch sehr agilen Königin, außer Zweifel. Stabrittmeister von Kuhnheim, der sich von Schills Aufstandsversuch "im gegenseitigen Einvernehmen" getrennt hatte, sagte später vor dem Kriegsgericht zweimal aus.
 
Am 28. April 1809 verließ er - wie zum Manöver - mit seinem Regiment (550 Husaren und Jäger) Berlin. Eine Meile außerhalb der Stadt hielt er seinen Soldaten eine Ansprache, die den Eindruck verstärkte, er handele in höherem Auftrag.

In Berlin Steglitz angekommen, versammelte Schill seine Getreuen um sich, ließ sie in einem Viereck in den Rauhen Bergen antreten und hielt eine flammende Rede, bei der er die ihm von der Königin Luise geschenkte und mit ihrer eigenhändigen Widmung bestickte Brieftasche hervorzog und ausrief, es sei der große Augenblick gekommen, wo er sich dieses Geschenks würdig erweisen werde. Die Brieftasche spielte beim Auszug Schills aus Berlin eine Rolle. Was zunächst wie eine Felddienstübung aussah, entpuppte sich als Auftakt für eine Erhebung.

Uniformen des Schillschen Freiforps 1809 nach Knötel

von links nach rechts

1. Fußjäger

2. Artellerie Unteroffizier

3. Leichter Infanterist

4. Husar
29. April 1809 - Biwak in Baumgartenbrück



Die Nachricht vom Ausmarsch des 2. Brandenburgischen Husaren Regiment erreichte Adolf von Lützow der mit seinen jüngeren Bruder Leopold von Lützow der Premierleutnant im "General Quartiermeisterstab" war und entschloss sich Schill zu folgen.


Die beiden Brüder erreichten das Regiment am Morgen des 30. April im Biwak vom Baumgartenbrück bei Geltow in der Nähe von Postdam, als man gerade aufbrechen wollte.
Ferdinand von Schill hatte ursprünglich vor, nach Kassel zu marschieren, um mit dem "Oberstleutnant von Dörnberg" der den Volksaufstand auslöste, weitere Mitstreiter in und aus Norddeutschland zu finden.
1. Mai 1809 - Marsch vorbei an der Festungsstadt Wittenberg aus Niemegk  
2. Mai 1809 - Besetzung Dessaus

3. Mai 1809 - Druck Schills Aufruf "An die Deutschen" in Dessau



"An die Deutschen!
An meine in den Ketten eines fremden Volkes schmachtenden Brüder! Der Augenblick ist erschienen, wo Ihr die Fesseln abwerfen und eine Verfassung wieder erhalten könnt, unter welcher Ihr seit Jahrtausenden glücklich lebtet, bis der unbegrenzte Ehrgeiz eines kühnen Eroberers unermessliches Elend über das Vaterland verbreitete. (...) Ziehet die Sturmglocken! Dieses schreckliche Zeichen des Brandes fache in Eurem Herzen die reine Flamme der Vaterlandsliebe an und sei Eurem Unterdrücker das Zeichen des Unterganges! Alles greife zu den Waffen! Sensen und Pieken mögen die Stelle der Gewehre vertreten! (...) An der Spitze geprüfter, im Kampfe geübter Krieger eile ich zu Euch! Bald wird die gerechte Sache siegen, der alte Ruhm des Vaterlandes wieder hergestellt sein! Auf, zu den Waffen!"
Am 4. Mai. besetzt Schills Truppe Bernburg. Am Nachmittag versammelte Schill seine Offiziere zum Kriegsrat. Die Frage Aufgeben und zurückkehren oder weiter zu machen.

"Hier, im Angesichte des deutschen Vaterlandes, gelte es, keinen Schritt, der mutig gewagt worden, feigherzig zurückzutun und das Zutrauen ihrer wackeren Landsleute, die dann zu keinen ähnlichen Unternehmen sich je wieder hergeben würden, zu täuschen."

Major von Lützow.

Unwiderruflich wurde in Bernburg entschieden den Aufstand Weiterzuführen. Am selben Tag hatte Jérôme Bonaparte, der Bruder Napoleons und König von Westfalen, einen Preis von 10.000 Francs auf seinen Kopf ausgesetzt.
 
5. Mai 1809 - Erbitterte Kämpfe bei und in Dodendorf

Am 4. Mai erreichte Schill aber die zuverlässige Nachricht, dass der Aufstandsversuch im Kurfürstentum Hessen gescheitert war, sowie das der "Erzherzog Karl" am 23. April bei Regensburg von Napoleon geschlagen worden war und sich auf den Rückzug nach Wien befand.
Die eintreffende Nachricht versetzte seinem Tatendrang einen deutlichen Dämpfer, aber er ließ sich von seinen Offizieren mitreißen und lieferte sich am 5. Mai bei Dodendorf unweit von Magdeburg ein siegreiches Gefecht mit einer Abteilung der Magdeburger Garnison.

Hinter den Sumpfigen Uferwiesen des Flüsschens Sülze lagen am Morgen des 5. Mai 1809 sechs gegnerische Infanteriekompanien und die Kerntruppen der französischen Besatzung Magdeburgs in Stellung und erwarteten die sich aus Richtung Sülldorf nähernden sich das Schillsche Armeecorps.
7. Mai 1809 - Marsch über Langenweddingen, Wanzleben, Kolbitz und Burgstall nach Tangermünde  

8. bis 22. Mai 1809 - Stationierung der Truppen in Arneburg

In dieser Zeit werden die Neugeworbenen Eingekleidet, Bewaffnet und Ausgebildet. Am 12. Main rückten 156 Mann unter Führung des Leutnants von Quistrop II, ohne Erlaubnis des Königs, als Verstärkung aus Berlin nach. Am 12. Mai 1809 hielt er auf dem Marktplatz in Arneburg an der Elbe eine engagierte Rede gegen Napoleon, der Preußen ja empfindliche Niederlagen beigebracht hatte.


Schill hat sich selbst am Besten charakterisiert, als er bei Arneburg seine Soldaten mit den Worten anredete:

"Kameraden! Insurgenten sind wir nicht, wir wollen bloß für unser Vaterland streiten, und unserm Könige die verlornen Länder wieder gewinnen; und wenn er das letzte Dorf hat, dann gehen wir alle nach Hause, und ich schwöre bei meiner Ehre, ich will nie mehr werden als preußischer Officier!"

Schill wollte eine Erhebung gegen Napoleon auslösen, und er rief aus:
"Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende""

 
Am 15. Mai erstürmten Schills Truppen die Festung Dömitz durch einen Handstreich. 5 Offiziere und 60 Mannschaften ergeben sich ohne Gegenwehr.

Schill trug Karl v. Francois auf, die Elbfestung Dömitz zu besetzen, um den Rückzug der Schill'schen Hauptkräfte (18. Mai) zur Ostseeküste zu decken.

Nachdem diese Aufgabe gelöst war wurde die Festung am 24. Mai aufgegeben.
 

22. Mai 1809 - Eigenhändiger Brief des preußischen Majors und Freikorpsführers Ferdinand von Schill an seinen Offizier Karl von François in Wismar.

24. Mai 1809 - Gefecht und Sieg in Dammgarten



Schills Corps ging in Richtung Stralsund, dessen aus Polen und Mecklenburgern bestehende Besatzung ihm entgegenkam. Am 24. Mai marschierte der französische Kommandant mit seiner Garnison von 900 Infanteristen von Stralsund und unterstützt durch 140 polnische Lanzenreiter sowie zwei Kanonen aus nach Damgarten, um Schill, zu treffen. Hier siegte Schills Truppen über die Franzosen.
25. Mai 1809 - Einritt Schills gegen 10.00 Uhr mit 40 Husaren durch das Tribseertor auf den Neuen Markt. Eroberung Stralsund

Am 25. Mai 1809 prescht Schill gegen 10.00 Uhr mit 40 Husaren durch das Tribseertor auf den Neuen Markt.
Der sich gerade auf dem Markt aufhaltende Kommandeur der französischen Artillerie, Kapitän Noel, sieht die Sinnlosigkeit eines Widerstandes ein und ergibt sich. Er wird auf Ehrenwort entlassen. Schill läßt nun die Hauptmasse seiner Truppe in die Stadt einziehen und sammelt sie auf dem Neuen Markt, um zum Rathaus am Alten Markt zu ziehen.
Unbemerkt hatten indessen französische Artilleristen am Zeughaus (Katharinenhalle) in der Mönchstraße eine Barrikade mit Kanonen errichtet. Da bietet der ehemalige schwedische Artillerieleutnant von Petersson seine Hilfe an. Durch eine unbewacht gebliebene Hintertür am Zeughaus konnten nun die Schillschen hinter die Barrikade gelangen und im erbitterten Handgemenge die französische Besatzung niedermachen.

26. bis 30. Mai - Befestigung Stralsunds

Schill hatte eine große Anzahl Kanonen mit Munition erbeutet, aber der Zustand der Befestigungsanlagen der Stadt war trostlos. Schill, der die Festung von seinem Besuch in Stralsund 1807 her kannte, hatte nichts von der Schleifung der Befestigungsanlagen im Jahre 1808 gewußt.
Die Wälle waren zum großen Teil abgetragen, die Graben ohne Wasser, die Zugbrücken vor den Stadttoren waren durch feste Brücken ersetzt worden. Wieder war es von Petersson, der Schill seine Unterstützung als Fachmann gab.
Man begann mit der Instandsetzung der Festungswerke. Täglich waren 1000 Arbeitskräfte im Einsatz, 600 aus der Stadt und 400 von den Dörfern. Hinzu kamen alle Maurer und Zimmerleute. In fieberhafter Eile werden das Franken- und daß Tribseertor, die als besonders gefährdet galten, instandgesetzt.
Schill selbst gönnte sich, noch an der erlittenen Verwundung leidend, wenig Ruhe. Er überwachte die Schanzarbeiten oder die Bildung seiner Soldaten. Der Rat und die Bürger Stralsunds sahen Schills Absichten mit gemischten Gefühlen an, man fürchtete den Zorn Napoleons.


30. Mai 1809 - Publicandum Schills an die Stralsunder Bürger

"Durch die mit den Waffen in der Hand erfolgte Besitznahme hiesiger Stadt und Festung, trete ich, vermöge des Waffenglücks, in die Rechte des Eroberers. Meine Absicht ist, bei meinen Unternehmungen ein widerrechtlich unterjochtes und der Krone gewaltsam entrissenes Land zurückzugeben, da ihr folgendes gebührt. So lange aber, bis dieses Land von mir in die Hände des rechtmäßigen Besitzers zurückgegeben ist, und so lange der Besitz desselben mit der Ausführung meiner ferneren Pläne vereinigt ist, muß ich mir dessen Besitz sichern. Wenn nun aber zur Verpflegung, Bekleidung und sonstigen Unterhaltung meiner Truppen die Annahme aller und jeder Staatskassen, als Domainen-Revenuen, Zoll- und Accise-Steuer-Gelder und dergleichen mehrere, erfordert wird, so werden von dem Tage der erfolgten Besitznahme an, sämtliche Kassen des Landes für mich verwaltet, und nur mir sind die Rendanten responsable. Die Uebertretung dieses Gebots, so wie der geringste dabei vorkommende Unterschleif wird mit Festungsstrafe geahndet. Eine von mir niedergesetzte Commission wird morgen nachmittag die Kassenbücher nachsehen und die Bestände annehmen.
Stralsund, den 30. Mai 1809.
Schill, commandierender Officier der hiesigen Provinz."

31. Mai 1809 - Gefecht und Stralsund und Tod Ferdinand von Schill in Stralsund

Todesmaske Ferdinand von Schill